Auswahl von Meinungen die uns zeigen, dass wir
auf dem richtigen Weg sind
Winterpause für Umbau genutzt (LVZ, 24.02.2011)
Der folgende Artikel stand am 24.02.2011 in der Leipziger Volkszeitung:
Winterpause für Umbau genutzt
Kulturinitiative Zwenkau startet am 3. März in die neue Veranstaltungssaison
Zwenkau. Nur wenig lässt in diesen Tagen erahnen, dass im Kulturkino Zwenkau am 3. März die nächste Veranstaltungssaison beginnt.
Noch liegt alles unter einer dicken Staubschicht. Wie jedes Jahr ist das 1927 im Art-Deco-Stil erbaute Haus in der Hugo-Haase-Straße Ende Februar noch eine Baustelle.
"Die letzten drei Monate waren sehr erfolgreich. Der Baufortschritt kann sich wirklich sehen lassen", erklärt Steffen Wieser, Vorsitzender der Kulturinitiative Zwenkau, beim Rundgang.
Heizkörper wurden installiert, Elektrokabel verlegt, Wände neu verputzt und gefliest. "Außerdem haben wir die Bar im Saal umgebaut, damit die Geräusche künftig nicht mehr das Programm
stören", fügt Wiesers Stellvertreterin Susanne Schönherr hinzu und zeigt auf den kleinen Vorraum mit Kühlschränken und Spüle. Möglich wurden die Arbeiten auch dank eines Zuschusses
über 23000 Euro von der Kultur- und Umweltstiftung der Sparkasse Leipzig. "Das Geld haben wir aber zu zwei Dritteln für die brandschutztechnische Ertüchtigung eingesetzt", erläutert
Wieser. Weitere Mittel stellten unter anderem die Stadt Zwenkau, der Dow Olefinverbund und Privatleute.
Und es sind noch viele Spenden notwendig. "Die Phase, wo wir fast alles selbst machen konnten, ist längst vorbei. Jetzt sind Handwerksfirmen gefragt", betont Wieser.
Weit mehr als 10000 Arbeitsstunden haben die inzwischen 45 Mitglieder seit der Gründung der Kulturinitiative im Jahr 2003 geleistet: angefangen beim Entrümpeln des Anbaus, über
Reparaturen am Dach und nicht zuletzt bei der Wiederherstellung der prachtvollen Kassettendecke im Saal (die LVZ berichtete). Aber noch ist der Weg weit. "Es wäre schön, wenn das
Kulturkino am 30. Dezember 2013 genau zehn Jahre nach der Schlüsselübergabe fertig ist", verrät Wieser sein ehrgeiziges Ziel.
Die nächsten Schritte stehen schon fest: "Wir arbeiten aktuell an der Vorplanung für die Sanierung des Eingangsbereichs mit einer barrierefreien Treppen- und Podestanlage sowie der
Trockenlegung des darunter liegenden Kellers", so Wieser. Auch das ist nur dank einer Spende möglich. "Die Dow Olefinverbund GmbH hat uns im letzten Juni 15000 Euro dafür zugesagt",
berichtet Schönherr. Baubeginn soll Ende April sein, wenn der erste Veranstaltungsblock 2011 geschafft ist.
Unzählige Stunden haben Wieser und Schönherr in den vergangenen Wochen am Computer verbracht. Wie berichtet, bewirbt sich die Stadt um Fördermittel für das Bund-Länder-Programm
Stadtumbau Ost. "Selbst wenn wir nur die Hälfte unseres Antrages bewilligt bekämen, wäre das Wahnsinn", sagt Wieser. Eine Maßnahmenliste über immerhin 480000 Euro haben sie
Bauamtsleiterin Steffi Gebauer zugearbeitet. Den Schwerpunkt bildet die energetische Sanierung des Kulturkinos. "Wir hoffen, dass das denkmalgeschützte Haus in zwei, drei Förderpunkte
reinpasst", sagen die Köpfe der Kulturinitiative optimistisch. Schließlich ist ihnen auch schon anderes gelungen: Zum Beispiel die Aufnahme in die Förderung durch den Kulturraum
Leipziger Raum mit dem Generationentheater, das im Herbst starten soll. Helfen wird dabei auch die im letzten Jahr aufgenommene Zusammenarbeit mit dem Theater der Jungen Welt in
Leipzig. Wiesers eigentliche Arbeitsstätte: Er ist dort als technischer Leiter tätig.
Damit nächste Woche alles blitzt und sich die Besucher wieder wohlfühlen, packen jetzt viele fleißige Hände an. Katharina Seifert rührt derweil die Werbetrommel für das umfangreiche
Programm. Los geht es gleich am 3.März um 20 Uhr mit dem französischen Kinofilm "Willkommen bei den Sch'tis", am 10. März folgt "Das Konzert" und am 17.März "Soul Kitchen".
Außerdem zeigt André Schumacher am 5. März ab 20Uhr seine Reisedokumentation "In 80Tagen um die Welt". Musikfans können sich 2011 auf einige Konzerte freuen: von Jazz bis Rock.
Den Anfang machen am 12. März die Jazzbanausen, Tino Standhaft tritt am 19. März auf und Mark Bennett am 6. Mai. Leiser, aber nicht minder unterhaltsam versprechen die Lesung von
Opernsänger Rainer Süß am 2. April und der musikalisch-literarische Abend unter dem Titel "Lass Dich erinnern" mit Gisela Steineckert und Dirk Michaelis am 16. April zu werden.
Ein Heimspiel haben ganz sicher die Zwenkauer (Kabarett-)Mäuse am 8., 9.und 15.April mit ihrem neuen Stück "Alles Käse, oder was?".
Ulrike Witt
Der folgende Artikel stand am 9.11.2009 in der Leipziger Volkszeitung:
Starthilfe für Brandschutzarbeiten
Zwenkauer Kulturkino soll 2010 Auflagen erfüllen / Sparkasse Leipzig unterstützt Maßnahme
Zwenkau. Dank einer Spende kann das Kulturkino in Zwenkau bald seine neuen Türen für Volkshochschule, Musikschule und Vereine öffnen. Der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Leipzig, Harald Langenfeld, überreichte Steffen Wieser, dem Vorsitzenden der Kulturinitiative Zwenkau als Betreiber der Einrichtung, einen Scheck über 23 000 Euro. Diese sollen bis März in den Brandschutz fließen, damit fortan alle Räume genutzt werden können.
Über 15 000 Arbeitsstunden haben die unermüdlichen Helfer ehrenamtlich geleistet, immer sichtbarer wurden Sanierung wie Verschönerung des Kulturkinos, hörbarer das Lob – nur die Fördermittel bekamen immer andere Einrichtungen (die LVZ berichtete). Erst der Einsatz der Zwenkauer Politiker als Fürsprecher für das Kulturkino habe daran etwas geändert, meinte Bürgermeister Holger Schulz (CDU). Auf dessen Einladung hin besuchte Landrat Gerhard Gey (CDU) Ende Juni auch die Stätte, mit der die Initiatoren die kulturelle Grundversorgung der Bevölkerung in Zwenkau und in der Region sichern wollen. Gey, der – wie berichtet – keinen Weg sah, mit kreiseigenen Mitteln zu helfen, habe überlegt, welche Fördermöglichkeiten bestünden und schließlich den Kontakt zur Sparkasse geknüpft, so Schulz. Langenfeld bekam Ende vergangener Woche eine Kostprobe vom Können der Macher im Kulturkino: Vom Sessel aus konnte er in einem achtminütigen Film verfolgen, wie das 1927 im Art-Déco-Stil erbaute Kino Stück für Stück gesichert und herausgeputzt wurde. „Ich bin sehr überrascht, was Sie hier seit 2003 alles auf die Beine gestellt haben“, lobte Langenfeld. Das sei „bürgerschaftliches Engagement“ im besten Sinne, meinte er. „Mit dem Geld können wir die Wintermonate nutzen, um die Bauarbeiten zum Brandschutz endlich abzuschließen“, kündigte Wieser an. Ein Dutzend Türen vom Foyer bis zum Rang müsse durch geeignete ausgewechselt werden, Entrauchungsklappen im Treppenhaus eingesetzt und Trennwände errichtet werden, erläuterte er. Versuchen will Wieser nochmals, die Spende als Eigenmittel für weitere Förderung zu nutzen. „Doch das kann im Dezember schwer werden“, so Wieser. Nach dem Adventsmarkt am 28. November soll die Arbeit beginnen: Bis zum 14. März sind wieder anpackende Hände gefragt. „Wenn bis dahin alle Auflagen erfüllt sind, können wir unser gesamtes Haus für kulturelle Angebote nutzen“, so Wieser. Bislang stand dafür nur der Saal mit der prächtig restaurierten Decke zur Verfügung. Langenfeld will die Entwicklung des Kulturkinos im Auge behalten. „Ich könnte mir vorstellen, dass wir Sie hier nicht zum letzten Mal unter- stützt haben“, signalisierte er weitere Hilfe.
Kendra Reinhardt
Artikel von der Kultur- und Umweltstiftung Leipziger Land der Sparkasse Leipzig (12.2009)
Lesenswert ist dieser Beitrag Saaldecke im Kulturkino Zwenkau erstrahlt in neuem Glanz auf der Internetseite der Kultur- und Umweltstiftung Leipziger Land der Sparkasse Leipzig.
Diesen Brief erhielten wir nach dem gemeinsamen Arbeitseinsatz vom 21.6.08:
... Wir möchten Ihnen im Namen der The Dow Chemical Company und aller Mitarbeiter, die an diesem Tag vor Ort waren für Ihre Unterstützung danken - und dafür, dass wir bei Ihnen zu Gast sein durften. Auch wenn das Wetter nicht ganz mitspielte, hatten unsere jungen Ingenieure eine Menge Spaß beim Tapezieren, Zaunsetzen und Streichen der Wände. Vor allem aber waren sie begeistert von der Offenheit und Freundlichkeit, mit der Sie von Ihnen empfangen wurden. Dafür herzlichen Dank! Wir hoffen, dass der Tag für Sie ebenso in Erinnerung bleiben wird wie für unsere Mitarbeiter und wünschen Ihnen für den weiteren Ausbau des Kulturkinos viel Erfolg.
Dow Olefinverbund GmbH
Der folgende Artikel stand am 19.5.2008 in der Leipziger Volkszeitung:
Die Qual der Wahl
Kulturkino Zwenkau beim Bürgermeisterkandidaten-Forum von
Kulturinitiative und LVZ bis auf den letzten Platz besetzt
Zwenkau. Die Kulturinitiative Zwenkau und die Leipziger Volkszeitung hatten gestern zum Wahlforum ins Kulturkino geladen. Auf dem Podium saßen mit Holger Schulz (CDU), Wolf-Dieter Schwidop (FDP), Jörg Kluge (DSU), Harald Redepenning (Bürger für Zwenkau) sowie den Einzelbewerbern Heike Oehlert, Hans-Peter Müller und Heiko Metzlaff gleich sieben Bewerber, um den Chef-Sessel im Zwenkauer Rathaus. Im voll besetzten Kulturkino fühlten LVZ-Lokalchef Ulrich Milde und etliche Zuschauer den Kandidaten auf den Zahn.
Von Wahlmüdigkeit oder Desinteresse konnte in Zwenkau keine Rede sein. Die Bürgermeisterwahl am 8. Juni sorgt in der Stadt für Aufmerksamkeit und Unruhe. Schließlich geht eine ganze Ära zu Ende. Bürgermeister Herbert Ehme muss sein Amt nach 18 Jahren aus Altersgründen aufgeben. Und das schmerzt ihn sichtlich. Schon die Vorstellungsrunde, in der Moderator Milde jedem Bewerber fünf Minuten Redezeit einräumte, machte Ehme schwer zu schaffen. „Wir geben im Wahlkampf nicht immer das beste Bild ab“, erklärte der Bürgermeister, der danach als erster das Wort ergriff. Um dann Schwidop, Kluge und Oehlert regelrecht zu attackieren. „Sie wollen das Bürgerbegehren gegen den Bau des Seniorenzentrums am Pegauer Platz mit falschen Angaben durchdrücken“, warf Ehme Schwidop vor. Einige Zuhörer quittierten Ehmes Ausführungen mit Buh-Rufen bis hin zur Aufforderung „Raus“. Ehme setzte trotzdem fort. „Frau Oehlert, in der Stadtverwaltung heißt es, dass Sie das Bürgermeisteramt nur als Halbtagsstelle betreiben wollen. Ist das wahr?“, forderte Ehme die einzige Bewerberin heraus. „So etwas habe ich nie gesagt“, meinte Oehlert entsetzt. Die 42-Jährige leitet derzeit einen Pflegedienst. Kluge, der ohnehin aufgeregt war, platzte schließlich der Kragen: „Herr Ehme, wie Sie mit den Kandidaten umgehen, die Ihnen nicht passen, ist nicht in Ordnung.“ Der DSU-Mann bezog sich damit auch auf einen Brief, der ihm am Sonnabend zugestellt worden war. „In dem Sie mir die Werbung für meine Firma an öffentlichen Gebäuden untersagen, entziehen Sie mir und acht Angestellten die Existenz“, so Kluge. Vorausgegangen war ein Streit um Wahlwerbung im Umfeld der Neuseen-Classics. Die Stadtverwaltung hatte einen mobilen Werbeträger von Kluge entfernen lassen, weil der im Start-Ziel-Bereich aufgestellt war und bei Sponsoren des Radrennens auf Unbehagen stieß. Kluge protestierte dagegen und erhielt dann jenes Schreiben als Antwort. „Ich sitze hier, weil ich will, dass die Einzelregierung in Zwenkau aufhört“, sagte Kluge aufgebracht. Ehmes Wunschkandidat Holger Schulz hatte schon vorab angekündigt, „neue Farben und neue Nuancen“ in die Kommunalpolitik einzubringen. Allerdings wolle er die überaus erfolgreiche Arbeit Ehmes fortsetzen. „Auch wenn ich das Wort Kronprinz nicht gern höre, so möchte ich auf seinen Ergebnissen aufbauen“, betonte Schulz. Als einziger der Sieben formulierte er ein konkretes Projekt. „Wir müssen mit unseren Ressourcen besser umgehen. Der Zwenkauer See ist ein großer Energiespeicher, aus dem mit Hilfe von Wärmepumpen Energie aus tieferen Schichten gewonnen werden kann. Das nutzt den Bürgern und der Umwelt gleichermaßen“, erläuterte Schulz, der ein Ingenieurbüro in der Stadt führt. Metzlaff, der in Markranstädt als Rechtsanwalt arbeitet und in Löbschütz wohnt, klagte die seiner Meinung nach ungleiche Entwicklung der Zwenkauer Ortsteile an. „Jenseits der B 186 fließen nur Gelder, wenn mal was übrig ist“, so Metzlaff. Unter den Zuhörern verursachte dies Unruhe. „Das stimmt doch gar nicht. Zitzschen ist als Kulturdorf gefördert worden und in Löbschütz ist im vergangenen Jahr eine teure Abwasserleitung verlegt worden“, berichtete ein älterer Herr. Tourismus oder Gewerbe, diesen Aspekt brachte ebenfalls Metzlaff in die Diskussion ein. „Wenn wir uns eine Dreckschleuder ins Gewerbegebiet holen, kommen keine Touristen an den Zwenkauer See“, sagte er und versprach, „eine behutsame Ansiedlungspolitik“ betreiben zu wollen. „Machen wir uns nichts vor, produzierendes Gewerbe bekommen wir doch in Größenordnungen nicht nach Zwenkau. Der Tourismus ist eine große Chance für die Stadt. Der bringt Arbeit, wenn auch nicht allein“, so Redepenning. Insofern stelle sich doch gar nicht die Entscheidung zwischen Tourismus und Gewerbe. Auffällig war, dass sich die Konzepte der Bewerber um das Bürgermeisteramt kaum unterschieden. Bürgernähe, Transparenz, soziale Kompetenz waren die Schlagworte der zweistündigen Runde. Das Publikum ließ sich indes nicht mit Floskeln abspeisen und wollte Fakten. „Frau Oehlert, Sie sprechen immer von sozialem Engagement. Müssen wir befürchten, dass ganz Zwenkau eine Sozialstation wird und sie als Bürgermeisterin die Grund- und Gewerbesteuer erhöhen?“, rief ein Zuhörer. Oehlert hatte zuvor ihre Ziele wie den Ausbau des Schulzentrums, die dauerhafte Sicherung des Waldbades und ein kostenloses Mittagessen für jedes Kind in Kita und Schule ausgeführt. Dirk Gerstäcker hakte bei Oehlert und ihrem Stadtratskollegen Kluge nach: „Was hat Sie eigentlich gehindert, Ihre Vorstellungen bisher schon einzubringen?“ Als Oehlert von Fraktionszwang sprach, erwiderte Gerstäcker: „Wenn Sie davor resignieren, frage ich mich, ob Sie die geeignete Anwärterin sind. Als Bürgermeister brauchen wir eine Persönlichkeit mit Überzeugungskraft“, so Gerstäcker. Leicht machten es die Zwenkauer Bürger Ihren Kandidaten jedenfalls nicht. LVZ-Lokalchef Milde resümierte abschließend: „Sie haben die Qual der Wahl. Aber so viele Bewerber und Zuhörer zeugen vom Interesse an der Entwicklung dieser Stadt.“
Ulrike Witt
Zitate des Tages Frage:
Unterstellt, Sie würden Bürgermeister werden. Was wäre Ihre erste Entscheidung?
Jörg Kluge: Ich würde die Stadtratsausschüsse wieder einrichten und Visionen für Zwenkau entwickeln.
Heiko Metzlaff: Das kann nur eine Sachentscheidung sein. Ansonsten muss das Internetportal der Stadt optimiert werden.
Hans-Peter Müller: Ich möchte kommunizieren. Zuerst mit dem Gewerbeverein, um Firmen anzusiedeln.
Heike Oehlert: Ich werde vom ersten Tag an für alle Ziele mit der Verwaltung, dem Stadtrat und den Bürgern reden.
Harald Redepenning: Ich würde eine Arbeitsgruppe einrichten, gemeinsam eine Analyse machen und daraus ein klares Ziel formulieren.
Holger Schulz: Die erste Entscheidung fällt nach Notwendigkeit am Tag X. Ich muss mit der Verwaltung sprechen.
Wolf-Dieter Schwidop: Ich würde den Stadtrat und die Ideen der Bürger auf jeden Fall in meine erste Entscheidung einbeziehen.
Der folgende Artikel stand am 2.1.2008 in der Leipziger Volkszeitung:
„Am meisten freuen wir uns über Besucher“
Kulturinitiative Zwenkau besteht im März seit fünf Jahren /
Volles Programm für Kulturkino / Sanierung geht weiter
Zwenkau. Zu Fuß ins Theater oder mit dem Rad ins Kino?
Woran der Leipziger keinen Gedanken verschwendet, stellt für den
Zwenkauer ein Stück Lebensqualität dar. Die schafft der Verein
Kulturinitiative mit dem wiederbelebten Kulturkino. Kurz vorm
fünften Geburtstag der Initiative blicken die Vereinschefs
Steffen Wieser und Susanne Schönherr zurück und nach vorn.
„Am meisten freuen wir uns über Besucher“, sagt Wieser. Wir
sitzen bei Tee unter einem Heizpilz im großen, kalten Saal des
1927 gegründeten Lichtspielhauses. Über dem hing schon die
Abrissbirne, aber jetzt ist es auf einem guten Weg hin zu einem
offenen Haus, in dem sich Jung und Alt treffen, reden und so
Erfahrungen von Generation zu Generation weiterreichen. „Als wir
aus Leipzig hierher nach Zwenkau kamen, vermissten wir etwas und
schauten uns um, was es an Kultur in der Stadt gibt“, erzählt
der Beleuchtungsmeister des Theaters der Jungen Welt. „Für
Kinder und Ältere war aber außer Sport und Karnevalsvereinen
nicht viel“, sagt Schönherr. „Gerade die können nicht nach
Leipzig reinfahren“, meint die Pädagogin der evangelischen
Kirchgemeinde.
Irgendwann fiel ihr Blick auf das marode Kulturhaus. Für den
berühmten Euro konnte der Verein das im Art-déco-Stil errichtete
Haus erwerben. Seine drei Dutzend Mitglieder – darunter auch
Zwenkaus Bürgermeister Herbert Ehme – packen seitdem
ehrenamtlich an. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Die
Dachsanierung von Turm und Anbau ist fertig, ebenso die
Instandsetzung der
Terrasse. Die Heizung ist zum Großteil
erneuert. Und dank eines Sümmchens der Kultur- und
Umweltstiftung der Sparkasse kann eine 45 Quadratmeter große
Leinwand genutzt werden. „Die Filme projizieren wir mit den
alten 35-Millimeter-Vorführmaschinen aus der Schaubühne
Lindenfels“, erzählt Wieser. Mit dem Haus könnte ein
Parallelspielplan entwickelt werden, um Leihkosten für Filme zu
senken.
Inzwischen ist auch der Bauantrag durch das Landratsamt
bestätigt. „Im Januar und Februar wollen wir zwei Reihen der
Kassettendecke über dem Rang säubern, spachteln und pinseln,
„damit man mal sieht, wie schön das früher hier aussah“, so
Wieser, Mitbegründer und langjähriger Mitstreiter des Grünauer
Theatriums.
Finanziert werden muss der Musentempel mit Klinkenputzen. Darum
hat die Initiative 2006 auch eine Kampagne ins Leben gerufen,
„soziales Engagement für soziale Kompetenz“. Der Ruf wurde
vernommen: Nicht nur Sparkasse, Chemieriese Dow und Autohäuser
fühlen sich verpflichtet. „Auch Zwenkauer, die sich zum 60.
Geburtstag Geld schenken ließen, haben uns die Sümmchen schon
gegeben“, freut sich Schönherr über das Zeichen der
Verbundenheit. „Wer hier nach Jahren wieder mal reinkommt,
erinnert sich oft daran, dass er hier Jugendweihe hatte.“
Woher indes die geschätzte halbe Million Euro kommen soll, die
eine grundhafte Sanierung des Baudenkmals kostet, steht in den
Sternen. Ein Dauerbetrieb würde zudem pro Jahr mit 50 000 Euro
zu Buche schlagen, die mit Spenden nicht zu decken sind. Und
eigentlich müsste auch längst eine Planstelle für all die Arbeit
am, im und für das Kulturkino geschaffen werden. „Unsere
eingereichten Konzepte finden alle immer toll“, sagt Schönherr.
Dennoch hat es das soziokulturelle Neuland schwer in der
festgefügten Förderlandschaft.
Verfügte das Kino einst – und vor dem Einbau der Trennwände –
über 870 Plätze, können heute bis zu 199 Besucher eintreten.
„2007 hatten wir rund 1500 Gäste“, freut sich Wieser. Die kamen
nicht nur zum beliebten Adventsmarkt, sondern zu Kino, Lesungen,
Musikschulaufführungen und Volkshochschulkursen. Auch als
Spielstätte mit ganz persönlicher Künstlerbetreuung machte sich
das Kulturkino einen Namen. Das geht auf ein Jubiläumskonzert
der hiesigen Band Me’Six zurück. Deren Managerin Gina Kaul aus
Kitzen wiederum hat heiße Drähte zur US-Bluesrockszene. Die
Folge: Stimmwunder Bet Williams kam, sang und lobte Zwenkau und
seine Bewohner anschließend im Internet. „Plötzlich hatten wir
Anfragen aus Amerika“, lacht Schönherr. Daran will der Verein
anknüpfen und lädt auch 2008 wieder zu hochkarätigen Konzerten.
Knüller in der jüngeren Kulturkino-Geschichte war das
Public-Viewing der Fußball-WM-Spiele. „Da kamen sogar Fans aus
Leipzig“, erinnert sich Wiesner. Nun sollen auch die EM-Spiele
2008 über die Leinwand flimmern. Und dann erst das neue
Theaterprojekt mit dem Freien Gymnasium …
Inzwischen ist der Tee alle. Die Kälte kriecht die Beine hoch.
Doch Schönherr und Wieser haben eine ansteckende Vision. Und bei
der wird einem warm ums Herz.
Ingolf Rosendahl
Schreiben von TAL Chemnitz GmbH (11.05.2006)
Theater-Architekturlicht Chemnitz GmbH (TAL)
11.05.2006
Sehr geehrter Herr Wieser, Mut zu beweisen in einer Zeit die
von erheblichem Kostendruck auf die Länder und Gemeinden
gekennzeichnet ist, Initiative zu ergreifen: Altes zu bewahren
und sich Neuem zu öffnen - dieses alles haben Sie und Ihr Verein
in beeindruckender Weise gezeigt. Ihnen und Ihrem Verein viel
Kraft und Ausdauer bei der Durchsetzung Ihrer Wünsche und
Aufgaben. Das Kulturkino Zwenkau mit seinem geplanten
Nutzungskonzept soll ein Beispiel werden, wie in einer einst
gebeutelten Industrielandschaft eine Begegnungsstätte aller
Altersgruppen entstehen kann. In einer Region, die wieder an
Umweltattraktivität gewinnt, wird das Kulturkino ein Zugewinn an
Lebensqualität darstellen. Die Menschen der Stadt werden es gern
und dankbar annehmen.
